Der Name PROJEKT BORDERLINE S(Ü)NDROM ist eigentlich als eine Metapher
gedacht gewesen. Rein gedanklich bezogen auf die Mischung aus gewählten
Samples und den damit verbundenen 'Geräuschen'. Eine Symbiose aus technoiden,
schranzigen Sounds und Noise. Aber es sollte auch eine Art Zerrissenheit symbolisieren,
dass man nicht wirklich weiss, was man tut. Er sollte für Grenzüberschreitung
stehen, die eigenen, aber auch die des 'guten Geschmacks'. Und die zwischen
Melodien und Krach, zwischen Aggression und nach innen gerichteter Wut. Und
als eine Mischung aus Monotonie und treibenden Rhythmen soll das ganze auch
noch clubtauglich und tanzbar sein.
Bezogen auf die Samples und die möglicherweise darin enthaltenen oder hinein
zu inter- pretierenden Aussagen möchte ich klarstellen, dass es nicht mein
Ziel ist, möglichst
dunkel oder gar böse zu wirken, sondern dass mein Anspruch dahinter eher
philosopisch, psychisch und polit-kritisch ausgerichtet ist. Von nationalsozialistischem
oder profaschistischen Inhalten möchte ich mich grundsätzlich distanzieren.
Sollte ich mich jemals dazu hinreißen lassen, politisch fragwürde
Zitate aus unsere dunklen 'deutschen' Vergangenheit zu ver- wenden, sollte man
diese auf jeden Fall als postkritische Retrospektive betrachten und nicht als
ein Verherrlichung total kranken Gedankenguts.
Ausgangspunkt für die Entstehung eines Songs ist eigentlich immer das Sample.
Aus irgend- einem Grund berührt es mich, spricht mich an, und dann entwickelt
sich daraus der Song. Ich versuche, darauf zu achten, dass dieses Sample noch
nirgends verwendet wurde. Sie dürfen auch gerne einen gewissen 'Witz' oder
Sarkasmus beinhalten. Am Ende soll aus den Samples und meiner Musik eine Einheit
entstehen. Keine Ahnung, ob mir das gelingt.
In erster Linie mache ich Musik für mich selbst, weil ich Spass daran habe.
Ich wollte meine eigenen Grenzen ausloten, sehen, was dabei herauskommt. Ich
wollte die Technik ausprobieren und für mich selbst dazulernen. Ziel ist
nicht ein Plattenvertrag (nunja, Compilation-Beiträge würde ich wohl
nicht ausschlagen). Jedoch spüre ich natürlich auch eine gewisse Befriedigung,
wenn jemand was damit anfangen kann und ich so eine gewisse Anerkennung bekomme. "Konstruktive" Kritik
ist ebenfalls immer willkommen.
Im Nachhinein ist mir schon aufgefallen, dass der Name schon ein wenig anstössig,
möglicherweise sogar provokativ wirkt und sich möglicherweise Betroffene
dadurch angegriffen oder verletzt fühlen. Das jedoch ist nicht meine Absicht
gewesen. Als ich den Namen vor mehr als drei Jahren wählte, war diese Krankheit
noch nicht so bekannt. In letzter Zeit ist mir ein beinahe inflationärer
Umgang damit aufgefallen. Die 'schwarze Szene' ist plötzlich voll von selbsternannten
Borderlinern, die 'ihre' Krankheit beinahe mit Stolz vor sich hertragen und es
manchmal den Anschein hat, diese würden das als Eintrittskarte in die schwarze
Welt missbrauchen. Meiner Ansicht nach hat 'schwarz sein' nichts mit möglicher-
weise vorhandenen psychischen Problemen zu tun, auch wenn der offene Umgang damit
in der 'Szene' eigentlich begrüssenswert ist. Aber es ist eben keine Grundvoraussetzung,
um dazu zu gehören. Denn auch, wenn wir 'Schwarze' uns oft selbst als krank
bezeichnen, ist damit vordergründig nicht gemeint, dass wir tatsächlich
(psychisch) krank sind, sondern dass wir durch die uns umgebende Welt krank gemacht
werden, vielleicht nur deshalb, weil es eine von vielen Eigenschaften unserer
Subkultur ist, dass wir möglicherweise sensibler auf das reagieren, was
um uns herum geschieht und vor allem auch darüber nachdenken. Ich möchte
mich bei all jenen entschuldigen, die sich durch den Namen meines Projektes verletzt
fühlen könnten, denn ich will niemanden damit angreifen oder der Lächerlichkeit
preisgeben. Es ist nur so, dass das Borderline Syndrom eine Krankheit unserer
Gesellschaft ist, und es so eben als Synonym für unsere krankende Welt steht.